Kein Stress bei der Gartenarbeit – der Weg ist das Ziel

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Der Garten soll Freude, Entspannung und Ausgleich bringen, daher ist es wichtig,  Hauptfehler zu vermeiden, die man in den ersten Jahren unweigerlich macht:

Es kommt darauf an, Stress reduzieren und nicht weiteren zu erzeugen.

Denn die meisten Menschen möchten in ihrem Garten gerade ihren Stress abbauen, den sie in einem Zeitalter immer geringerer körperlicher Arbeit während ihres Alltags anhäufen. Früher arbeiteten die meisten Menschen in der Landwirtschaft, viele Stunden täglich. Psychischen Stress und den heute allgegenwärtigen Anstieg psychischer Störungen und Erkrankungen kannte man in diesem Ausmaß nicht, da die Menschen sich genügend bewegten.

Heute sind die meisten Arbeiten körperlich leichter Natur, die psychischen Belastungen sind durch Zeit- und Termindruck sowie Bürokratíe-Auswüchse immens gestiegen.

Viele Menschen finden daher in Gartenarbeit einen wunderbaren Ausgleich zu diesen nervlichen Beanspruchungen und können damit zudem Mitgliedsbeiträge für Fitnessstudios sparen.

Damit dieser Stress im Garten auf die richtige Art und Weise abgebaut werden kann, sollte man 5 Grundregeln einhalten, um nicht im Hobbygarten weiteren Stress zu erzeugen:

1. Nicht zu viel vornehmen

Wenn man sich an einem einzelnen Tag zu hohe Ziele im Garten stellt, die man dann am Ende des Gartentages unweigerlich nicht erreicht, ist man frustiert und kann sich damit Druck und Stress erzeugen, da man der irrtümlichen Annahme unterliegt, dass man das Verpasste nun vielleicht nicht mehr aufholen kann.

Daher ist es besser, sich an einem einzelnen Tag im Garten nicht zu viel vorzunehmen. Wenn man dann noch Zeit übrig hat, kann man immer noch zusätzliche Dinge tun und ist am Ende des Tages mit sich und dem Geschafften zufrieden. Ich laufe dann immer noch einmal durch den Garten und schaue mir mein Tagwerk zufrieden an.

2. Früh genug anfangen

Wenn man nach dem Winter früh genug anfängt – in milden Wintern kann das schon im Februar der Fall sein – ansonsten immer im März – hat man einfach mehr Zeit, seine Gartenprojekte nach und nach abzuarbeiten. Viele kleine Etappen stellen zufriedener als wenige große, die für sich genommen sehr zeitaufwändig sind. Je eher man anfängt, umso mehr wird man schaffen, auch wenn man sich keine unrealistischen Ziele stellt.

Das gilt genauso für die Einteilung des Gartentages: Fängt man am Wochenende früh an oder unter der Woche bald nach der Arbeit, hat man einfach mehr Zeit und wird viele Dinge schaffen. Es kommt nicht drauf an, alles zu schaffen. Außerdem wird man den für viele nicht unwichtigen Kalorienverbrauch maximieren können. Man kann pro Stunde Gartenarbeit mit einem Verbrauch von etwa 400 Kalorien rechnen (natürlich ist dieser Wert nur ein Durchschnittswert, aber bei mehreren Stunden Gartenarbeit kommt für jeden genügend Bewegung und Energieverbrauch zusammen.

3. Der Weg ist das Ziel

Die gesundheitlich positiven Effekte der Gartenarbeit hängen nicht vom Erreichen von Zielmarken und Bestwerten zusammen, dies gilt ebenso für die Ertragsmenge. Wenn wir uns eine oder mehrere Stunden am Tag an der frischen Luft bewegen und uns keinen Stress dabei machen, erreichen wir alle gewünschten gesundheitlichen Effekte einschließlich des Erhalts eines gesunden Körpergewichts.

Wir müssen auch nicht in Höchstgeschwindigkeit arbeiten oder beim Einkauf von Pflanzen oder Gartengeräten Rekordtiefpreise erreichen. Wir können, aber wir müssen nicht.

Wir müssen nicht den schönsten Garten der Welt haben. Unser Garten muss uns gefallen – nicht unbedingt den anderen.

Wir müssen keinen englischen Rasen haben, den wir jede Woche dreimal mähen, düngen und bewässern müssen und der völlig frei von Löwenzahn, Klee, Gänseblümchen und anderen „Unkräutern“ ist. Das macht uns mehr Stress, als wir uns darüber freuen.

Wir sind nicht gezwungen, jedes Frühjahr einjährige Pflanzen in den Boden zu bringen, die wir im Herbst wieder herausholen müssen (z.B. Dahlien, Gladiolen oder Begonien). Wir können das jederzeit tun, wenn wir wollen. Wir können aber auch Lilien, Krokusse, Tulpen, Narzissen, Rosen, Pfingstrosen und viele andere Blumen pflanzen, die als Zwiebelpflanzen oder Stauden, Sträucher usw. jedes Jahr wieder erscheinen.

Wir müssen nicht das Haus oder die Wohnung mit vielen Zimmerpflanzen überladen, die wir regelmäßig gießen, düngen und umtopfen müssen.

Wir können und sollten im Garten das tun, was wir wollen und was uns gefällt und Spaß macht.

Wir müssen auch nicht jede Frucht ernten, wenn wir das aus irgendeinem Grund nicht immer schaffen. In der Natur geht nichts verloren. Übrig bleibende Früchte sind ein Festschmaus für Vögel und andere Tiere oder sie bereichern kompostiert den Boden neu mit wichtigen Nährstoffen.

Wir können Dünger kaufen, aber wir können auch unseren eigenen Kompost im reifen oder halbreifen Zustand und Garten- und Küchenabfälle (z.B. Kaffeesatz oder Holzasche) aller Art zur Düngung verwenden

Die Ionen in der Luft wirken neben der körperlichen Anstrengung sehr positiv auf das Immunsystem. Mit Gartenarbeit stärken wir unsere Psyche, bauen Stress ab, aktivieren unser Immunsystem und schützen uns vor vielen unnötigen westlichen Zivilisationserscheinungen wie Diabetes, Übergewicht und Bewegungsmangel (für mich die Hauptursache der meisten Krankheiten). Wir stärken unser Herz-Kreislauf-System und unsere Immunabwehr. Der Schlaf in der Nacht ist nach Gartenarbeit sehr viel tiefer und erholsamer und wir können in der Nacht mehr Melatonin produzieren.

Wer rastet, der rostet!

4. Wir müssen im Hausgarten keinen Maximalertrag bei Obst und Gemüse erreichen

Es macht großen Spaß, im Garten Obst, Gemüse und Kräuter anzubauen, womit wir dann auch etwas Geld beim Einkaufen sparen können. Die Höhe des Ertrags ist im Hausgarten jedoch unwichtig ,sie wird je nach Temperatur, Niederschlägen (oder Bewässerung), Boden, aktueller Nährstoffkonzentration und weiteren Umständen sowieso jedes Mal unterschiedlich ausfallen. Man sollte sich angewöhnen, die unterschiedliche Höhe des Ertrags – und auch den Ausfall von Pflanzen – hinzunehmen, was uns nicht daran hindert, unsere Erfahrungen im Garten für die Zukunft zu berücksichtigen und mit Gärtnerehrgeiz zu optimieren. Wichtig ist jedoch, sich hierbei niemals  Druck zu machen.

Es ist heute sowieso unmöglich und auch nicht effektiv und sinnvoll, sich ausschließlich durch Selbstversorgung zu ernähren, deshalb brauchen wir auch keinen Druck und ergänzen unser gekauftes Nahrungsangebot durch selber angebautes Obst und Gemüse, welches die Supermarktprodukte durch seine Frische und Nähe (kurze Wege) im Vitamin- und Nährstoffgehalt deutlich übertrifft.

Wir freuen uns, die Pflanzen beim Wachsen zu beobachten und diese durch Unkrautjäten, Gießen und Düngen zu unterstützen, zu allen Jahreszeiten und bei jedem Wetter.

5. Nicht alles im Garten wird gelingen

Wir müssen lernen, im Garten auch Misserfolge zu akzeptieren. Viele vermeintlich und angeblich winterharte Pflanzen (z.B. winterharte Palmen, Bananen, Feigen, Aprikosen, Edelkastanien, Sharon usw.) werden in milden Wintern durchkommen und dann irgendwann in einem strengen Winter erfrieren. Na und? Daher sollte man nie zu teure Pflanzen kaufen, damit man sich dann in solchen – nicht seltenen – Fällen nicht zu sehr ärgert.

Wir können und sollten im Hausgarten sogar viel experimentieren, jedoch müssen wir bei solchen Experimenten auch Misserfolge akzeptieren, dafür werden wir auch so manches erreichen und erleben, mit dem wir nicht gerechnet hätten (wie zum Beispiel die Ernte von mehr als 200 Kiwis).

Wenn wir diese 5 Grundregeln beachten, so nutzen wir den Garten optimal zu unserer Entspannung und stärken Körper und Geist. Der Garten wird uns dann immer das geben, was wir eigentlich von ihm wollen. In diesem Sinne wünsche ich viel Spaß beim Gärtnern!

Jörg Wichmann

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